Musik und Kultur

Freitag, 06.07.2007

Wie könnte man den Freitag besser beginnen, als sich ein Konzert im Bryant Park anzuschaun? Im Rahmen der Fernsehsendung "Good Morning America" (von uns auch spöttisch ZDF-Fernsehgarten genannt) gibt es jeden Freitag kostenlose Konzerte. Nur ist hier nicht Hansi Hinterseer oder Stefan Mross sondern keine Geringere als Nora Jones am Start! Um noch gute Plätze zu bekommen, haben wir uns schon kurz nach 7 auf den Weg gemacht.

Dort waren weniger Menschen als erwartet, aber für das Fernsehen wurde natürlich alles perfekt insziniert. Die Leute durften immer schön in den Kamerakran jubeln und Plakate hochhalten, wenn der Einpeitscher auf der Bühne faxen machte. Aber das kannten wir ja schon von der NBC Morning Show. Ohne sich vorzustellen hat sich dann kurz vor 9 eine langhaarige Schönheit auf einen Klavierstuhl gesetzt und losgelegt. Gut dachten wir, dass muss dann Nora Jones sein. Der Gesang war auch echt schön, nur war nach einem Lied erstmal (Reklame) Pause. Schönes Konzert! Nach einem kleinen Interview mit dem ständig grinsenden Moderatoren Trio gab es dann sogar 2 Lieder am Stück. Der Wahnsinn! Dann plötzlich haben sich die Moderatoren verabschieded und das Konzert war vorbei - nach nur 3 Liedern. Willkommen im Fernsehen!

Menschenmenge vor der Bühne im Bryant Park So sehen unfertige Hochhäuser aus Nora Jones auf der Bühne

Ich habe mich dann mit Martin gleich in Richtung Financial Distrikt verschabschiedet. Mit einem kleinen Umweg über Wall Street und Trinity Church sind wir zum Visitor Center vom World Trade Center gegangen. Neben einer wirklich ergreifenden Austellung mit gefundenden Gegenständen und einigen Videos gibt es dort auch eine Walking Tour mit Zeitzeugen, die von ihren Erlebnissen Berichten. Unser Guide war ein Angestellter aus dem 76. Stock, der zum Zeitpunkt der ersten Einschlags aus der U-Bahn kam. Die Geschichten waren wirklich sehr spannend!

Ziemlich eng am letzten Ende der U-Bahn Station Sascha posiert vor der Börse (umgeben von Polizisten mit Maschinen Pistolen, die hier nicht zu sehen sind) Winter Garden im World Financial Center, von oben hat man einen guten Ausblick auf die Baustelle

Gegen Mittag hatten wir dann unser Seminar zum Thema "Soziale Probleme in New York". Diesmal haben wir aber nicht in einem Konferenzraum gesessen, sondern sind direkt in eines der Brennpunktgebiete gefahren und haben zusammen mit einer Hilfsorganisation Nahrungsmittel an Bedürftige ausgeteilt. Die Organisation heißt Elohim und verteilt seit 8 Jahren Essen in Queens.

Als wird dort ankamen, war die lange Schlange an Bedürftigen kaum zu übersehen. Ich hatte mich mit meinen nagelneuen Adidas-Schuhen das erste mal richtig schlecht gefühlt. Teilweise hatten die Leute seit 7 Stunden angestanden, nur um etwas abzubekommen. Das hat mich echt mitgenommen, um so mehr Energie habe ich beim Austeilen der Nahrungsmittel und beim Karton falten aufgebracht. Wir haben insgesamt rund 400 Menschen versorgt und dabei eine unglaubliche Erfahrung gemacht. Danke CDS für dieses Seminar!

Da waren die Kartons und die Leute schon alle weg...

Völlig fertig sind wir danach zu Hause angekommen, aber der Tag ging ja noch weiter. Jeden ersten Freitag im Montag gibt es eine Party im Guggenheim Museum, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Im Klartext bedeutet das, man kann sich die Galerie anschaun und gleichzeitig zu Wein und Bier abtanzen. Die Schlange draußen war auch wirklich vielversprechend, sehr hübsch angezogene Frauen und eine gute Stimmung. Drinnen war es aber nicht ganz so umwerfend. Die Partyzone war nur im Erdgeschoss und bis auf ein wenig Kopfnicken ging auch wirklich nicht viel ab. Aber die Ausstellung an sich fand ich sehr schön, ob ich dafür aber nochmal $25 Dollar ausgeben würde, wage ich zu bezweifeln.

Blick von oben in die Partyzone Coole Fußböden zum Abtanzen

Auf dem Nachhauseweg habe ich wieder jemand bekannten in der U-Bahn getroffen. Es ist echt unglaublich, wir fahren Nachts um 2 in einer super leeren U-Bahn nach hause und wer setzt sich genau neben mir? Ein alter Tänzer aus Berlin! Die ganze U-Bahn war frei und er steigt genau in meine U-Bahn in meinen Wagon ein und setzt sich neben mir. Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, bis ich ihn dann angequatscht und gefragt habe. Er kannte mich nicht, aber ich hatte ihn ja oft genug bei Turnieren gewinnen sehen, weswegen mir auch sein Gesicht so bekannt vor kam. Er war gerade mit seiner Tanzpartnerin auf dem Weg zur Unterkunft in Harlem.

Erkenntnisse: Es ist verdammt schwierig Hilfsbedürftigen Menschen in die Augen zu schauen und zu sagen, dass sie etwas nicht bekommen können.

Das Bier (Brooklyn Lager) und der Wein bei der Guggenheim Party schmecken zum kotzen.

Die Welt isn Dorf.